Von "Hans Patsching" und "Franz Patschong".

Mittwoch, 28. September 2016


Seit ein paar Monaten ist es bei uns soweit. Tagsüber Bücher zu "lesen" reicht Jacob nicht mehr. Am Abend muss es eine richtige Geschichte sein, die ich am Besten mit entsprechender Mimik, Gestik und Theatralik zur Schau stelle. Dazu müsst ihr wissen, dass es auch bei uns eine Art "verbotene Abteilung" gibt. 
In dieser befinden sich die Bücher (und Spielzeuge), die ich beim besten Willen nicht mehr sehen/lesen/ertragen kann. Sie machen Winterschlaf. Oder sind grade "einfach nicht zu finden". Wer glaubt, dass Jacob mit Vernunft beigebracht werden könnte, dass die Bücher einfach nicht Mamas Fall sind, hat sich leider getäuscht.  #Rabenmutter ?
Hier aber möchte ich euch jetzt, in recht kurzer Version, die 5 Bücher zeigen, die ich immer (!) gut lesen kann und auch nach dem trilliardsten Male wirklich noch mit Freude öffne.

He Duda - Axel Scheffler.
- Dieses Buch ist nicht nur wirklich witzig geschrieben, sondern auch einfach toll illustriert. Das Kaninchen He Duda ist sich nämlich gar nicht so bewusst darüber, dass es ein Kaninchen ist und stolpert so in einen aufregenden Zwischenfall mit einem Wiesel. 

Mika kann das ganz allein - Duden
- Bei uns ganz groß im Rennen, da wir zunehmend merken, wie Jacob selbstständiger wird und alltägliche Dinge (anziehen, klettern, Laufrad fahren etc) für sich alleine entdecken und erledigen möchte. Mika macht das in diesem Buch auf charmante Art und Weise vor. Und Jacob hat jemanden an dem er sich orientieren kann. 

Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte wer ihm auf den Kopf gemacht hat - Holzwarth/Erlbruch
- Hach ja, da werde ich ganz nostalgisch. Denn dieses Buch habe bereits ich als Kind verschlungen. Es ist irre witzig, zeigt verschiedenste Tiere (über die man dann natürlich viel sprechen kann) und ist mindestens ebenso gut, um die ersten Kloversuche mit einem Kleinkind zu überdauern. GEHT IMMER !

Gute Nacht, Gorilla - Peggy Rathmann
- Ein absoluter Geheimtipp der Buchhändlerin, der sich als 100% richtig erwiesen hat. Es gibt hier zwar nahezu keinen Dialog oder eine Handlung die man vorlesen kann - es ist also die Kreativität des Vorlesers gefragt. Aber die Illustrationen, die Details und Geschichte an sich, sind genial. Es ist so liebevoll gestaltet und die Geschichte an sich schlichtweg witzig. Eines unserer liebsten Gute-Nacht-Bücher.

Wir sind jetzt vier - Ravensburger
- Auf der Suche nach einem Buch, anhand dessen ich Jacob die momentanen Veränderungen besser erklären konnte, bin ich auf dieses Exemplar gestoßen. Wir hatten zunächst eines der Wie/Wo/Was-Reihe geholt, das mich persönlich aber nicht sonderlich überzeugt hat und Jacob wohl einfach noch zu kompliziert war. In "Wir sind jetzt vier", ist in anschaulichen Bildern, kurzen aber authentischen Texten, der Umgang mit Schwangerschaft, Geburt und Geschwisterchen super dargestellt. Erwähnenswert sei aber, dass es wohl insbesondere für Fußball-interessierte Kinder ausgelegt ist, da dies die Geschichte rund um die Familie begleitet.



Auch auf die Gefahr hin, dass sich bei diesem Post um ein zunehmend zähes Thema handeln könnte, habe ich trotzdem das dringende Bedürfnis Freude in die dunkle Welt der Kindermusik zu bringen. Von Geburtstagen über Kaufhausmusik und Kindergärten - mir bluten in der Regel die Ohren, wenn ich heutzutage Kinderlieder höre. Merkwürdig juchzende Frauenstimmen, die voller Glückseligkeit wirres Zeug singen. Das irritiert mich. 
Aus meiner Kindheit habe ich selbst so einige Kinderlieder (und -bücher) mitgenommen, die ich bis heute gerne höre und lese. Sie sind noch genauso gut wie damals wahrgenommen. Da ist zum Beispiel meine uralte Kassette "Fischbrötchen" oder "Der Friedensmaler" von Fredrik Vahle. Auch wenn ich erst jetzt den Tiefgang der damaligen Lieder realisiere, haben die Songs mich bereits zu Kindertagen begeistert/nachdenklich gestimmt/motiviert. Genau dieses Gefühl möchte ich an meine Kinder weitergeben. Ganz abgesehen davon, dass ich bei weitem zu wenig verständnisvoll und geduldig bin, als dass ich mir tatsächlich den ganzen Tag etwas anhören könnte, was ich selbst als Qual empfinde. 
Also ging es beim ersten CD-Kauf schnurstracks in meinen über alles geliebten "Kleinen Laden" (ein Urgestein auf dem Bonner Kinderbuchmarkt) und wurde zur sanften Einstimmung (in das was mich in den nächsten Jahren wohl noch so alles an Musik von meinen Kindern erwarten wird), mit Heike Makatsch's "Die schönsten Kinderlieder" betraut. 
Wie schön, wie solide und schlicht. Sowohl musikalisch als auch gesanglich - was für eine angenehme Stimme. Vom "Ein Männlein steht im Walde" bis zu "Bruder Jakob" ist es wirklich so klassisch, wie man es sich nur wünschen kann. Im Grunde genommen kann man mindestens die Hälfte der Lieder enthusiastisch mitträllern und sich somit auf Kindergartenfeste und -geburtstage optimal vorbereiten und als Super-Mutter mit Liederkenntnissen prahlen. 

Wie bereits aus meiner Kindheit erwähnt, bin ich ein großer Fan von Fredrik Vahle. Einem sehr bekannten und etablierten Schriftsteller und (Kinder-)Liedermacher. Seine Songs greifen oftmals gesellschaftspolitische Themen auf, ohne aufdringlich oder belehrend zu sein. Sie haben schlichtweg Tiefgang. Die genutzen Stimmen und Klänge sind angenehm und verleihen zwar Ohrwürmer, aber nie ohne sich vollkommen blöd vorzukommen. Ich kann hier also zum Beispiel seine CDs "Der Spatz" oder auch "Anne Kaffeekanne" empfehlen. Diese sind dann nicht mehr ganz so klassisch und solide wie die CD von Makatsch, aber bringen den Kindern garantiert so viel Spaß und jede Menge neue Wörter mit.

Habt ihr noch Empfehlungen für uns? Gibt es Bücher, die aus euren Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken sind? Und kann mir bitte irgendjemand beipflichten, dass Kindermusik heutzutage wirklich oft furchtbar ist !? Ich freue mich auf euer Feedback.

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Jeder zu seiner Zeit.

Montag, 26. September 2016





Das ist er also. Der erste Beitrag, der erste Einblick in meine Gedanken, meine kleine Welt.
Ich habe lange überlegt, worüber ich schreiben möchte. Welche Aussage sollte dieser erste, wahrscheinlich gar nicht so wichtige, Artikel haben? Berichte ich über etwas, das 'leicht runtergeht', was oberflächliche Neugier weckt oder bloß vermeidet, einen zu tiefen Einblick zu geben? Vermutlich gibt es kein richtig und falsch. Dennoch habe ich mich letztendlich dazu entschlossen, darüber zu schreiben, was mich in den letzten Jahren am nachhaltigsten beschäftigt und bewegt hat. Und das ist, ganz abgesehen von der Tatsache Mutter geworden zu sein, der Umgang anderer mit mir in meiner neuen Rolle. Aber natürlich auch mein eigener Umgang mit mir selbst. 


Als wir Anfang 2014 von meiner Schwangerschaft erfuhren, fielen wir aus allen Wolken. Ich hatte mein Studium gerade beendet und war voller Tatendrang dabei einen Job zu finden. Ich hatte mir meine kommenden Jahre sehr gewissenhaft durchgeplant und war zielstrebig dabei, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Karriere im Ausland, hart arbeiten, aber gut verdienen. Sich ausleben, die Welt bereisen, nur für sich selbst und den Moment verantwortlich sein. Ich wollte noch so viel erlebt haben, wenn ich denn dann, mit Anfang 30 vielleicht, eine Familien gründen würde. Ich wollte finanziell abgesichert sein und machte diese Sicherheit auch zur Voraussetzung für das Gründen eben jener Familie. 
Und - Hand aufs Herz - ist das nicht, zumindest mehr oder weniger, was Vielen unserer Generation vorschwebt, wenn sich das Studium/die Ausbildung dem Ende neigt? 

Frauen, die bewusst eine Karriere und Selbstständigkeit ablehnen um früh eine Familie zu gründen? 
Sie sind heutzutage rar. Oder zumindest hört man ihre Stimmen nicht all zu laut. Denn, so zumindest meine Erfahrung, ihnen werden häufig vorschnell ungewünscht fremde Meinungen aufgezwängt.

'Das geht doch nicht'. 
'Du kannst dich doch nicht so abhängig von deinem Partner machen.' 
'Du musst schauen wo du selbst bleibst.'

Warum ist nicht beides möglich? Ich sehe und verstehe, dass nicht jeder Kinder haben will. Ich sehe und verstehe, dass Karriere erfüllen kann. Aber wieso bin ich etwas Besonderes weil ich früh ein Kind bekomme? Ist zwischen 20 und 30 Jahren nicht ein gesundes und ehemals ganz normales Alter um Kinder zu bekommen? Wieso scheint es als sei 30-40 Jahre die neue "angemessenere" Zeitspanne? 

So standen wir jedenfalls da. Ein Kind wuchs in mir heran. Und es gab keine Überlegung - wir wollten dieses Kind. Wir fühlten uns erwachsen genug und wollten Verantwortung für unsere Taten übernehmen. Dennoch, und dieses Gefühl hält bis heute an, habe ich das Gefühl und Bedürfnis mich zu rechtfertigen, wenn ich von meinem Kind oder auch meiner zweiten Schwangerschaft berichte. Das habe ich zunächst wie selbstverständlich getan. 

'Ja, das war ungeplant. Aber wir kriegen das hin.'
'Wohl wahr - dann haben wir das Thema "Kinder" immerhin schon erledigt.'
'Es ist vielleicht ohnehin besser. Dann bist du jetzt einmal raus aus dem Job und kannst dann in 2 Jahren ganz durchstarten ohne nochmal unterbrechen zu MÜSSEN.'

Es hat sich eingeschlichen wie ein Automatismus. Ohne dass mein Gegenüber etwas sagen musste, berichtete ich von meiner zweiten Schwangerschaft und ging direkt dazu über mich zu rechtfertigen und zu verteidigen. Bis ich vor ein paar Wochen am Spielplatz saß. Jacob tobte vor sich hin, die Sonne schien und ich fühlte mich, ganz ehrlich, genau richtig und so wohl in dieser Situation. Natürlich sind die Dinge anders gekommen, als ich sie in meinem vermeintlich genialen Master-Plan vorgesehen hatte. Aber das ist gut so. Ich bin glücklich. Ich fühle mich angekommen. Ein kleines Baby tritt und strampelt in meinem Bauch und ich bin in der privilegierten Situation, zuhause bleiben zu können um für unser(e) Kind(er) zu sorgen. Das ist doch unendlich viel wert. 
Mir ist also etwas sehr Wertvolles bewusst geworden:
Ist es nicht ein Wunder, ein wirklich wahres Wunder, dass wir noch einmal Eltern eines kleinen Menschenkindes werden dürfen? Dass Jacob bald eine kleine Schwester haben wird, die ihm sicherlich nah sein wird? Ist es nicht toll, dass wir in unseren jungen Jahren eine so endlose, unbeschreibliche Liebe empfinden dürfen? Dass ich mich lösen kann, vom vorgefertigten Karrieregedanken und mein Kind mich gelehrt hat, das Leben so zu nehmen, wie es eben kommt, ganz gleich was ich geplant hatte?

Dies soll ganz sicher nicht pauschal für jedermann gelten !!! 
Aber ich habe das Gefühl oft spontan und ungezwungen in meinem Mutter-Dasein zu sein. Als wenn ich entspannter, mit mehr Optimismus und  Gelassenheit, mit meinem Kind durch den Alltag schreite, als manch andere Mutter. 
Habe ich auch mal einen schlechten Tag? Ja natürlich. Ist es mir manchmal viel zu viel? Aber hallo. 
Aber prinzipiell sind wir so glücklich in unserer Konstellation. Wir haben ein wundervolles Zuhause, es fehlt uns an nichts. Ich habe einen unfassbar starken und verantwortungsvollen Partner an meiner Seite. Er reißt sich ein Bein aus, um für uns alle zu sorgen. Alles zu ermöglichen, was ich mir für uns und unsere Familie vorstelle. Es geht uns wirklich gut. Und trotzdem fragen wir uns manchmal, ob es wohl einfacher wäre, wenn wir ein paar Jährchen älter wären.

Aber wer weiß das schon? Wir sind im Hier und Jetzt. Wir sind junge Eltern. Wir haben ein gesundes, wundervolles Kind. Unser Herz zerreißt fast vor Liebe und Stolz, wenn wir sehen wie Jacob jeden Tag größer und selbstständiger wird. Im Dezember werden wir ein weiteres Mal mit einem solchen Wunder gesegnet. Und auch wenn mancherlei Voraussetzung in ein paar Jahren eventuell abgesicherter gewesen wäre - niemals würden wir es anders wollen
Wir sind genau richtig da wo und wie wir sind.

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