Jeder zu seiner Zeit.

Montag, 26. September 2016





Das ist er also. Der erste Beitrag, der erste Einblick in meine Gedanken, meine kleine Welt.
Ich habe lange überlegt, worüber ich schreiben möchte. Welche Aussage sollte dieser erste, wahrscheinlich gar nicht so wichtige, Artikel haben? Berichte ich über etwas, das 'leicht runtergeht', was oberflächliche Neugier weckt oder bloß vermeidet, einen zu tiefen Einblick zu geben? Vermutlich gibt es kein richtig und falsch. Dennoch habe ich mich letztendlich dazu entschlossen, darüber zu schreiben, was mich in den letzten Jahren am nachhaltigsten beschäftigt und bewegt hat. Und das ist, ganz abgesehen von der Tatsache Mutter geworden zu sein, der Umgang anderer mit mir in meiner neuen Rolle. Aber natürlich auch mein eigener Umgang mit mir selbst. 


Als wir Anfang 2014 von meiner Schwangerschaft erfuhren, fielen wir aus allen Wolken. Ich hatte mein Studium gerade beendet und war voller Tatendrang dabei einen Job zu finden. Ich hatte mir meine kommenden Jahre sehr gewissenhaft durchgeplant und war zielstrebig dabei, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Karriere im Ausland, hart arbeiten, aber gut verdienen. Sich ausleben, die Welt bereisen, nur für sich selbst und den Moment verantwortlich sein. Ich wollte noch so viel erlebt haben, wenn ich denn dann, mit Anfang 30 vielleicht, eine Familien gründen würde. Ich wollte finanziell abgesichert sein und machte diese Sicherheit auch zur Voraussetzung für das Gründen eben jener Familie. 
Und - Hand aufs Herz - ist das nicht, zumindest mehr oder weniger, was Vielen unserer Generation vorschwebt, wenn sich das Studium/die Ausbildung dem Ende neigt? 

Frauen, die bewusst eine Karriere und Selbstständigkeit ablehnen um früh eine Familie zu gründen? 
Sie sind heutzutage rar. Oder zumindest hört man ihre Stimmen nicht all zu laut. Denn, so zumindest meine Erfahrung, ihnen werden häufig vorschnell ungewünscht fremde Meinungen aufgezwängt.

'Das geht doch nicht'. 
'Du kannst dich doch nicht so abhängig von deinem Partner machen.' 
'Du musst schauen wo du selbst bleibst.'

Warum ist nicht beides möglich? Ich sehe und verstehe, dass nicht jeder Kinder haben will. Ich sehe und verstehe, dass Karriere erfüllen kann. Aber wieso bin ich etwas Besonderes weil ich früh ein Kind bekomme? Ist zwischen 20 und 30 Jahren nicht ein gesundes und ehemals ganz normales Alter um Kinder zu bekommen? Wieso scheint es als sei 30-40 Jahre die neue "angemessenere" Zeitspanne? 

So standen wir jedenfalls da. Ein Kind wuchs in mir heran. Und es gab keine Überlegung - wir wollten dieses Kind. Wir fühlten uns erwachsen genug und wollten Verantwortung für unsere Taten übernehmen. Dennoch, und dieses Gefühl hält bis heute an, habe ich das Gefühl und Bedürfnis mich zu rechtfertigen, wenn ich von meinem Kind oder auch meiner zweiten Schwangerschaft berichte. Das habe ich zunächst wie selbstverständlich getan. 

'Ja, das war ungeplant. Aber wir kriegen das hin.'
'Wohl wahr - dann haben wir das Thema "Kinder" immerhin schon erledigt.'
'Es ist vielleicht ohnehin besser. Dann bist du jetzt einmal raus aus dem Job und kannst dann in 2 Jahren ganz durchstarten ohne nochmal unterbrechen zu MÜSSEN.'

Es hat sich eingeschlichen wie ein Automatismus. Ohne dass mein Gegenüber etwas sagen musste, berichtete ich von meiner zweiten Schwangerschaft und ging direkt dazu über mich zu rechtfertigen und zu verteidigen. Bis ich vor ein paar Wochen am Spielplatz saß. Jacob tobte vor sich hin, die Sonne schien und ich fühlte mich, ganz ehrlich, genau richtig und so wohl in dieser Situation. Natürlich sind die Dinge anders gekommen, als ich sie in meinem vermeintlich genialen Master-Plan vorgesehen hatte. Aber das ist gut so. Ich bin glücklich. Ich fühle mich angekommen. Ein kleines Baby tritt und strampelt in meinem Bauch und ich bin in der privilegierten Situation, zuhause bleiben zu können um für unser(e) Kind(er) zu sorgen. Das ist doch unendlich viel wert. 
Mir ist also etwas sehr Wertvolles bewusst geworden:
Ist es nicht ein Wunder, ein wirklich wahres Wunder, dass wir noch einmal Eltern eines kleinen Menschenkindes werden dürfen? Dass Jacob bald eine kleine Schwester haben wird, die ihm sicherlich nah sein wird? Ist es nicht toll, dass wir in unseren jungen Jahren eine so endlose, unbeschreibliche Liebe empfinden dürfen? Dass ich mich lösen kann, vom vorgefertigten Karrieregedanken und mein Kind mich gelehrt hat, das Leben so zu nehmen, wie es eben kommt, ganz gleich was ich geplant hatte?

Dies soll ganz sicher nicht pauschal für jedermann gelten !!! 
Aber ich habe das Gefühl oft spontan und ungezwungen in meinem Mutter-Dasein zu sein. Als wenn ich entspannter, mit mehr Optimismus und  Gelassenheit, mit meinem Kind durch den Alltag schreite, als manch andere Mutter. 
Habe ich auch mal einen schlechten Tag? Ja natürlich. Ist es mir manchmal viel zu viel? Aber hallo. 
Aber prinzipiell sind wir so glücklich in unserer Konstellation. Wir haben ein wundervolles Zuhause, es fehlt uns an nichts. Ich habe einen unfassbar starken und verantwortungsvollen Partner an meiner Seite. Er reißt sich ein Bein aus, um für uns alle zu sorgen. Alles zu ermöglichen, was ich mir für uns und unsere Familie vorstelle. Es geht uns wirklich gut. Und trotzdem fragen wir uns manchmal, ob es wohl einfacher wäre, wenn wir ein paar Jährchen älter wären.

Aber wer weiß das schon? Wir sind im Hier und Jetzt. Wir sind junge Eltern. Wir haben ein gesundes, wundervolles Kind. Unser Herz zerreißt fast vor Liebe und Stolz, wenn wir sehen wie Jacob jeden Tag größer und selbstständiger wird. Im Dezember werden wir ein weiteres Mal mit einem solchen Wunder gesegnet. Und auch wenn mancherlei Voraussetzung in ein paar Jahren eventuell abgesicherter gewesen wäre - niemals würden wir es anders wollen
Wir sind genau richtig da wo und wie wir sind.

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