(K)ein Geburtsbericht

Dienstag, 11. Oktober 2016



Da morgen meine nächste Untersuchung bei meiner Hebamme ansteht, möchte ich heute mal nutzen, um euch von meiner Erfahrung mit meiner Beleghebamme zu berichten.

Bereits in meiner ersten Schwangerschaft, habe ich mich sehr kurz nachdem der Test das große berühmte Strichlein anzeigte, für eine Zusatzbetreuung durch eine Hebamme entschieden. Ich rief also, kaum hatte mir die Ärztin die Schwangerschaft bestätigt, im Bonner Hebammenladen an und machte einen Termin mit einer der Hebammen aus. 
Auch wenn das jetzt 2,5 Jahre her ist, ist mir dieser Termin nach wie vor sehr präsent. Ich war ja noch vollkommen überfordert, hilflos und wusste so ganz und gar nicht was auf mich zukam. Aber die Art und Weise auf die meine Hebamme mich empfing und wahrnahm, verlieh mir von Anfang an ein sehr sehr vertrautes Gefühl. Da war jemand, der nach meinem Wohlbefinden fragte und nicht direkt einen Ultraschall machen wollte. Jemand, der verstand und respektierte, dass wir uns gegen jegliche zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen entschieden hatten. Jemand, der einfach zuhörte und so positiv und freudig vom Wunder der Geburt berichtete, dass ich Vorfreude statt Angst empfand. Was für ein erfrischend anderes und wunderschönes Gefühl. 

Für alle die nicht genau wissen, was es mit einer Beleghebamme auf sich hat:
Beleghebammen betreuen ein schwangere Frau durch die Schwangerschaft hinweg, unter der Geburt und in der Nachbetreuung. Hierbei ist (natürlich bis auf sehr spärliche Ausnahmen) garantiert, dass die Hebamme während der Geburt durchgehend für die Gebärende präsent ist und sich um keine weiteren Geburten kümmern muss. Es findet also eine Art 1:1 Betreuung statt. Wohingegen der Normalfall im Kreißsaal ja ist, dass auf eine Hebamme mehrere Gebärende kommen und diese sich somit immer wieder aufteilen muss. Die Schwangere hat durch die intensive Betreuung im Vorfeld die Möglichkeit die Hebamme näher kennenzulernen, Wünsche und Vorlieben zu kommunizieren um diese dann unter der Geburt umzusetzen. Es ist in der Regel ein vertrautes Verhältnis, mit viel Austausch und Vertrauen. 
Dies spiegelt wohl die groben Strukturen wieder, die genauen Abläufe einer durch eine Beleghebamme betreuten Geburt variieren natürlich und müssen entsprechend individuell besprochen werden.
Trotz der außergewöhnlichen und so verantwortungsvollen Arbeit, die freiberuflich arbeitende Hebammen in Deutschland leisten, haben sie in der Regel einen sehr schweren Stand. Die Entlohnung kann man wohl nur als Frechheit bezeichnen, ganz abgesehen von der verdienten fehlenden Anerkennung ihrer Leistung. Ich habe damals noch Glück gehabt und eine der letzten Chancen bekommen, eine Beleghebamme als Geburtsbegleitung haben zu dürfen. 

Ich jedenfalls, fühlte mich von Tag 1 genau am richtigen Ort. Die Betreuung in der Schwangerschaft war ruhig und verständnisvoll. Meine Gynäkologin neigte doch eher zu leichter Panikmacherei und Übervorsicht. Meine Beleghebamme steckte mich mit ihrem Vertrauen in die Abläufe der Natur an. Muss denn bei jeder Untersuchung ein Ultraschall erfolgen ? Ist es notwendig, junge und gesunde Frauen ohne auffällige Vorgeschichte in Zusatzvorsorgeuntersuchungen zu quatschen ? Teure Medikamente, die nicht vorhandene Defizite im Blutwert vorbeugen sollen ? Wofür ?
Meine Hebamme vertraute auf mein Bauchgefühl, fragte viel nach, fühlte und spürte. Und so fanden wir gemeinsam einen Weg uns auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Eine Geburt auf die ich mich, ganz ehrlich, freute. Natürlich war ich aufgeregt, natürlich hatte ich Ehrfurcht vor dem was mich erwartete. Aber ich hatte wirklich keine Angst. Ich fühlte mich sicher mit meiner Betreuung und gut vorbereitet. 

Und hatte das besondere Glück eine entsprechende Geburt erleben zu dürfen. 

Es geht mir an dieser Stelle in keiner Weise darum, meinen Weg als den "richtigen" anzupreisen. Jeder muss seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und sich entsprechend nach dem für ihn passenden Konzept umschauen. 
Aber bei all den traurigen oder erschreckenden Geburtserlebnissen von denen man immer wieder hört und liest, scheint ein positives Geburtserlebnis (leider) etwas zu sein, was man wohl erst viel später wirklich zu schätzen weiß. Ich möchte an dieser Stelle jedenfalls den Hebammen in diesem Land, meinen größten Respekt aussprechen. Ihr leistet einen unglaublichen und so unendlich wichtigen Job, der traurigerweise auf unterschiedlichen Ebenen nicht die verdiente Anerkennung erfährt, die ihm eigentlich zusteht. 

Abschließend möchte ich sagen, dass ich mich aus verschiedenen Gründen für meine zweite Geburt, für eine Entbindung im Geburtshaus entschieden habe. Bei Interesse berichte ich euch gerne mehr über meine Entscheidung und Erlebnisse.

Wie geht es euch mit dem Thema Geburtsbegleitung ? Habt ihr auch tolle Erfahrungen mit einer Beleghebamme gemacht ? Habt ihr Fragen oder Kommentare die ihr gerne loswerden möchtet ? Ihr seid immer herzlich willkommen Kommentare zu hinterlassen oder euch direkt bei mir zu melden !

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