Greta Louise.

Dienstag, 20. Dezember 2016





Darf ich vorstellen ?
Greta Louise. Am 12. Dezember 2016 geboren, gesund und munter.

Jetzt ist es also soweit. Das kleine, sehnlich erwartete Wunder, hat sich auf den Weg gemacht und ist nun Teil unserer kleinen Familie. Es war eine tolle Geburt und die Entscheidung, dieses Mal im Geburtshaus zu entbinden, hat sich (für uns) als genau richtig erwiesen. Wir waren bereits 2 Stunden nach der Geburt wieder zuhause und unendlich glücklich in unserem eigenen Bett zu liegen. Ganz in Ruhe und Behutsamkeit. Aber einen ausführlichen Geburtsbericht wird es vermutlich noch zu einem späteren Zeitpunkt geben. Jetzt möchte ich mit euch erst einmal die letzten 8 Tage Revue passieren lassen und habe mir ein paar Gedanken zu dieser aufregenden ersten Zeit gemacht.


Die Sorge um das ältere Geschwisterkind:


Da Jacob in den Wochen vor Gretas Geburt zunehmend merkwürdige Verhaltensmuster aufzeigte, waren mein Mann und ich auf so ziemlich alles vorbereitet. Aber eben doch nicht auf das, was dann tatsächlich seine erste Reaktion auf das kleine unbekannte Wesen in Mamas war.
Dieser so aufgeweckte, tobende und rastlose kleine Kerl wurde plötzlich zu einem anderen. Ein Jacob, wie wir ihn bisher nicht kannten. Mit vorsichtigen und behutsamen kleinen Fingern wollte er seine Schwester augenblicklich streicheln und ihr nahe sein. Und so saß er da, mit Greta im Arm, auf meinem Schoß und uns kullerten die Tränen, weil der Anblick so besonders, so einzigartig war. Ich glaube ich habe in meinem Leben nie zu vor solch einen Stolz und so tiefe Liebe empfunden. 
Alles tritt zurück, wird nichtig, wenn man doch betrachtet, was man da (als Paar) vollbracht und geschaffen hat. Zwei kleine Menschenkinder, das eigene Fleisch und Blut, in so liebevoller Atmosphäre, dass es einen sprachlos macht. So sehr Rabauke, Grobian oder Zappelphilipp Jacob auch sein mag, dieser Moment hat uns gezeigt, dass wir ihm wohl die richtigen Werte und Verhaltensweisen beigebracht haben und sein natürlicher Instinkt voller Liebe und Zärtlichkeit ist.

Jetzt, eine Woche später, ist er nach wie vor sehr vorsichtig und behutsam im Umgang mit Greta. Er will ihr nahe sein, sie küssen und streicheln und kuscheln. Das ändert wohl nichts daran, dass er trotzdem Eifersucht oder Vernachlässigung empfindet. Denn seit 3 Tagen schreit und weint dieser kleine Knirps sich die Seele aus dem Leib, wenn die Dinge nicht so laufen wie er sie gerne hätte. Man könnte wohl meinen, dass ich dem ja ruhig ein wenig nachgeben kann, aber wenn man Schokolade und Sendung mit der Maus an einem Montag Morgen um 4 gucken/essen will, muss ich dann wohl doch ein klein wenig Autorität wahren und eben auch mal NEIN sagen. Und so vermute ich, dass die große Veränderung wohl nun Wut auf mich hervorgebracht hat. Keine rationale Wut. Und keine die sich diskutieren lässt. Aber eine Wut, die aus Enttäuschung und Angst entsteht. 
Wo ist mein Platz in der Familie ? Wer ist diese neue Person ? Warum beansprucht sie Mama so sehr ?

Das muss unglaublich hart sein, für diesen kleinen unschuldigen Geist, zu verarbeiten. Und so wird all dies jetzt an mir abgearbeitet. Und das ist furchtbar anstrengend. Für uns BEIDE. Ich merke in welchem Zwiespalt er ist, ich möchte ihm helfen, probiere mit ihm zu reden. Aber merke, dass wenn die Wut erst einmal da ist, reden nicht mehr hilft. Denn dann steigert er sich weiter und weiter rein. Also probiere (!) ich ruhig zu bleiben, eine Mischung aus Gelassenheit und Fürsorge darzustellen. Und das ist so unglaublich schwierig. Denn er bleibt ein kleines, unschuldiges Wesen und so kann die beschriebene Wut innerhalb von Sekunden in ein tiefes Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit umschlagen. Und dann muss ich da sein, ihn halten und drücken. 
Diese Umschwünge zu erkennen, mitzumachen und anzunehmen, ist jetzt meine Aufgabe (neben so einigen anderen) und ich gebe mir von Herzen Mühe. Es klappt - mal besser, mal schlechter.

Greta:


Greta Louise ist das ruhigste und entspannteste Baby seit ich Mutter bin. Nein, Scherz.
Jacob hat als Neugeborenes viel zu Kämpfen gehabt. Er hat maximal 1,5 Stunden am Stück geschlafen, grauenvolle und besorgniserregende Koliken gehabt, eine solch empfindliche Haut, dass er teils wochenlang offene, nässende Stellen im Gesicht hatte und noch so einiges mehr. Er kam und kam nicht zur Ruhe. Im Nachhinein lässt sich das wohl recht logisch erklären aber damals wusste ich meinem Kind einfach nicht zu helfen. Es war sehr sehr anstrengend. 
Dass sich diese Anstrengung gelohnt hat steht außer Frage. Nun wird mir aber auch bewusst, dass ich durch Jacobs Verhalten, erst schätzen kann, was ein ruhiges und unkompliziertes Kind wirklich bedeutet. Und wir sind in diesem Falle mit genau solch einem gesegnet worden. Greta hat bereits im Geburtshaus mit einer Kraft getrunken, dass es fast erschreckend war. Sie schläft und schläft und schläft. Und wenn sich mal etwas tut, dann wirklich einfach nur, weil sie Hunger hat oder eine extra Portion Nähe braucht. Alles Dinge, die ich grade in Hülle und Fülle zu vergeben habe. Ich kann es nicht anders sagen und brauche hier auch wirklich nicht groß auszuufern, sie ist ein (bisher) unkompliziertes und sehr genügsames kleines Baby.

Genau wie bei Jacob habe ich ein kleines Weilchen gebraucht, um sie kennenzulernen und ihr richtig nahe zu sein. Auch wenn die Geburt toll verlaufen ist, hat sie mich dennoch enorme Kraft gekostet und ich musste erst einmal kurz wieder zur Ruhe kommen, bevor ich bereit war, mich voll und ganz auf Greta einzulassen. Ich denke, da hat wohl jeder seine eigenen ganz individuellen Erfahrungen gemacht. Ich brauche jedenfalls immer erstmal einen Moment.

Es ist ein unglaublich beruhigendes und angenehmes Gefühl, sich beim zweiten Kind nicht mehr so heillos überfordert und unsicher zu fühlen. Dieses kleinen Wunder sind so zerbrechlich, so schutzlos und zart, man hat ständig das Gefühl, man könnte etwas falsch machen. Bei Greta haben wir uns beide von Anfang deutlich sicherer gefühlt. 
Windel wechseln ? Kein Problem. 
Köpfchen halten, den kleinen Finger zum Saugen in den Mund & dabei dem älteren Kind noch ein Buch vorlesen ? Absolut machbar. 



Die körperliche Anstrengung:


Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich bereits kurz nach der Geburt wieder sehr sehr fit und voller Tatendrang gefühlt habe. Die Geburt wirkt für mich jedes Mal wie ein Befreiungsschlag von den Einschränkungen der letzten Züge der Schwangerschaft. Das Prinzip des Geburtshauses, innerhalb der ersten 3 Stunden nach der Geburt zurück nach Hause zu kehren, passte deswegen voll und ganz für mich. Auch wenn die ersten 24 Stunden natürlich von enormer Müdigkeit und Erschöpfung geprägt sind, galt es dennoch relativ schnell wieder auf die Beine zu kommen und in den Alltag einzutauchen.
Auch wenn ich absoluter Verfechter vom Wochenbett bin und finde, dass insbesondere in den ersten Woche nur Ruhe und Nähe für das Neugeborene wichtig sind - bin ich nichtsdestotrotz auch Realist.
Und die Realität sieht so aus, dass mein Mann 6 Tage die Woche arbeitet, nur am Tag der Geburt freibekommen hat und am Tag darauf alles mehr oder weniger seinen normalen Gang gehen musste. Ich habe ein zweites, 2-jähriges Kind zu versorgen, das Bedürfnisse hat, die ganz genauso gestillt werden müssen. 
Da ich (glücklicherweise) ein sehr enges Verhältnis zu meiner Mutter habe, konnte sie letzte Woche für ein paar Tage kommen. Und das hat mir ganz ehrlich den Ar*** gerettet. Denn der Haushalt bleibt in solch einer Situation komplett stehen. Wer putzt ? Wer kocht ? Wer wäscht ? Hier war meine Mutter die größte Hilfe und ich kann euch gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, so einen besonderen Menschen in meinem Leben zu haben. 


Abschließend lässt sich sagen, dass hier wohl grade ein ganz besonderer Zauber über unserer Familie liegt. Weihnachten steht vor der Tür (übrigens das erste, das wir ganz allein als Familie feiern), wir haben unser größtes Geschenk bereits erhalten (in Form eines wundervollen, gesunden kleinen Mädchens) und sind jeden Abend sprachlos vor Stolz und Liebe, wenn wir realisieren, was für eine gesegnete Familie wir sind.


Ich bin sicher, dass es noch fünfzig andere Punkte gibt, über die ich hier schreiben könnte. Fand diese 3 aber die für mich Wichtigsten. Solltet ihr dennoch Fragen haben, zu anderen Stichpunkten (beim Eingewöhnen mit zweitem Kind) oder generell neugierig sein, seid ihr jederzeit willkommen, einen Kommentar zu hinterlassen oder auch eine Mail zu schreiben. ich werde so schnell es mir möglich ist antworten.


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