Leben - Kinder bringen Veränderung.

Samstag, 1. Juli 2017


Eltern Sein. Paar Sein. Kinder - was machen sie mit einer Beziehung ? Was machen sie mit mir ?
Zunächst einmal eine sehr individuelle und persönliche Frage. Hier also mein ganz eigener Einblick. 

Ich weiß noch, dass ich schwanger bereits erst Schock-Nachrichten erhielt. 

"Hauptsache ihr überlebt das erste Jahr."
"50% aller Ehen werden ohnehin im ersten Jahr mit dem ersten Kind geschieden."
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Und ich hab nur gedacht "Halleluja." Wir machen das Alles ganz anders. Wir sind locker, wir sind jung und entspannt. Und dann ? Dann war besagtes erstes Kind da. Und meine, nein, unsere Welt drehte sich. Sie drehte sich so rasant und so unvorstellbar, dass ich bis heute Momente habe, in denen ich ganz klar denke und nicht fassen kann, was alles mit uns passiert ist.
So sehr es mir auch widerstrebt hat - wir verändern uns wenn wir Eltern werden. Und zwar ganz enorm. Auf unterschiedlichste Art und Weise. 
Ich merkte von mir selbst, dass sich zwar ein ganz neuer Raum von unendlicher, nicht endend-wollender Tiefe in meinem Herz gebildet hatte (die Liebe für mein Kind) aber, dass da auch Veränderungen waren, die mir gar nicht mal sooo sehr zusagten.
Ich war nie total locker, easy und entspannt. Aber jetzt, jetzt war ich oft angespannt, gereizt und so durchplant. Sicher - einiges ließ sich erstmal mit Hormonen, Schlafmangel etc erklären. Aber nach Monaten und eingefahrenen Verhaltensmustern, musste ich dann doch zugeben, dass ich es war, die sich verändert hatte.
Ich fühlte mich plötzlich viel spießiger. Wollte die Abläufe und Erziehung meines Kindes fest planen und kontrollieren. Störfaktoren ließen mich wütend werden.
Und dann war diese riesige Unzufriedenheit. Unerklärbar. Aber permanent zu spüren. Was ist bloß los mit mir ?


Ich weiß noch, dass ich an Jacobs erstem Geburtstag bitterlich geweint habe. Ich hatte es tatsächlich geschafft. Das erste Jahr.
In meinem Falle sogar unter zusätzlich erschwerten Bedingungen im Ausland,einer völlig fremden Kultur, ohne Familie oder sonstige Hilfe. Ich war so stolz auf mich. Ich war so erleichtert, dass wir es geschafft hatten.
WIR hatten überlebt. Wir waren noch zusammen. Aber ich bin ganz ehrlich: ich hatte durchaus das Gefühl, als wären wir angeschossen. Die enorme Veränderung die das erste Kind mit sich gebracht hat, ist definitiv nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Im Guten wie im Schlechten.

Es gibt kaum etwas Schöneres als den Partner mit dem Kind lachen zu sehen. Zu sehen, wie Vater und Sohn Erinnerungen schaffen. Das erste gemeinsame Bad. Die ersten Schritte. Dieser unbeschreibliche Stolz in Papas Augen. Solche Momente lassen die Liebe zum Partner auf eine ganz neue Ebene gleiten und sind nicht greifbar. Sie geschehen nebenbei und sind doch so entscheidend.

Aber gemeinsam Großzuziehen bedeutet auch, dass Vorstellungen und Erfahrungen von zwei Erwachsenen verschmelzen und zu einem gemeinsamen Konsens reifen müssen. Das ist unendlich hart. Jeder ist mit seiner ganzen Liebe, seiner ganzen Überzeugung dabei. Und keiner will "verlieren". Was die Sache nicht leichter macht: Es gibt kein Richtig und Falsch. Es gibt nur "So" oder eben "Anders".
Jeden Tag sind Entscheidungen zu treffen. Kleine banale, aber auch große sehr sehr bedeutende. Beim ersten Kind muss alles erst einmal austariert werden. Man kennt den Partner eben nicht als Mutter/Vater. Ob man sich nun 1 Jahr oder 10 Jahre kennt bevor man Kinder kriegt, die Überraschung wird immer dieselbe bleiben. Man entdeckt eine ganz und gar neue Seite am Partner. 

Vor Gretas Geburt war ich unglaublich gespannt was wohl geschehen würde. Würden sich Verhaltensmuster aus Jacobs erstem Lebensjahr wiederholen ?
Ich kann ganz klar (für uns) sagen: Nein. 
Und das ist gut so. Mir kommt es tatsächlich so vor, als sei das erste gemeinsame Kind der allergrößte Test. Beim zweiten wirken wir bereits deutlich routinierter. Wir wissen was der Partner für Vorstellungen/Wünsche/Ansprüche hat und können deutlich gelassener mit der Situation umgehen. 
Jetzt ist unser zweites Kind bereits 6 Monate alt und ehe wir uns versehen wird auch ihr erster Geburtstag gefeiert werden. Weinen werde ich mit Garantie wieder. Denn lasst euch gesagt sein, ein Kind zu bekommen (ganz egal ob es das Erste und Vierte ist), ist eine unfassbare Herausforderung. Für euch. Für eure Beziehung. 

Jedes Kind schenkt euch die reinste und tiefste Liebe, die ihr jemals empfunden habt. 
Jedes Kind verändert euch ein Stückchen mehr. Ihr wachst und reift mit ihm.
Jedes Kind verlangt eurer Beziehung wahnsinnige Arbeit ab. Ihr seid gezwungen euch damit auseinanderzusetzen. Anders schafft man es glaube ich nicht.

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